Sri Lanka
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On the way to the top – Adam’s Peak in Sri Lanka

Adam's Peak nachts

Vor einigen Tagen habe ich euch von unserem verpatzten Start zum Adam’s Peak berichtet. Aber wie ergeht es Anja und mir auf dem Weg zum Gipfel?

Nachdem wir eilig aus dem Guesthouse hasten, laufen wir zunächst durch das wie ausgestorbene Dalhousie. Eigentlich soll es hier Geschäfte geben, wo man sich mit Snacks versorgen kann, aber uns kommt es vor, als seien wir allein. Aber vielleicht stolpern wir auch nur den Pilgermassen hinterher? Also schneller, schneller! Wir müssen die Zeit aufholen!

Aber meine Mitreisende ist anscheinend ziemlich müde, sie fällt erschöpft zurück und fragt immer wieder, wie weit es denn noch sei. Jetzt müsst ihr natürlich wissen: Der Weg nach oben ist von Dalhousie etwa 7 km lang und führt über 4800 Stufen! Und wir haben noch nicht mal die erste dieser Stufen bewältigt. In der Ferne kann ich nach langem geschlängelten Pfad den Gipfel erahnen und mit einer Digitalkamera rudimentär einfangen (das Bild ist zu Beginn des Artikels).

Wie könnte ich ihr verraten, dass es noch unendlich weit ist und noch viel anstrengender werden wird? In diesem Moment bin ich froh, dass sie sich in der Planung auf mich verlassen hat und deswegen auf mein Wort vertraut. Ich nutze die Situation zu einer kleinen Notlüge:

„Keine Bange, ist nicht mehr weit. Wir sind gleich da!“

Als nach einer halben Stunde die Stufen anfangen, fragt sie abermals und ich bekräftige, dass es nicht mehr weit sei. Zwischendurch motivieren wir uns mit Snacks und aufmunternden Worten, sie hat Ohren- und Kopfschmerzen. Auszug aus dem Tagebuch:

„Denke 1 Sekunde über Aufgeben nach / nach Aspirin und Sandwich geht es bergauf (buchstäblich)“

Ich bin so froh, dass sie dabei ist! Allein hätte ich das nie in Angriff genommen, da ist es kein Opfer, dass ich sie immer wieder motiviere: „Noch diese Anhöhe, dann müssten wir gleich da sein!“ (Noch heute wirft sie mir spöttisch vor, dass ich sie von Anfang an schamlos belogen hätte!)

Einen Energieschub bekommen wir beide, als betrunkene junge Männer uns entgegen kommen und einer davon im Vorbeigehen nach uns grapscht. Ich brülle laut auf Deutsch vor Wut, er sucht schnell das Weite. Seine Freunde lachen entschuldigend. Anja ruft laut:

„I will tell Buddha!“

Viele Pilger kommen uns entgegen; wir sehen kaum Menschen, die wie wir bergauf gehen. Anscheinend wird auch über Nacht gepilgert. Der Weg ist spärlich beleuchtet; wir ziehen unsere Schals über den Kopf, um uns warm zu halten und zu verschleiern, dass wir Touris sind, damit uns nicht nochmal ein Einheimischer zu nahe kommt.

Die Stufen werden immer steiler, aber der Weg nimmt kein Ende. Ich treibe uns an, damit wir den Sonnenaufgang nicht versäumen, aber irgendwann lässt es sich nicht mehr leugnen, dass es heller wird. Die Sonne wird nicht mehr lang auf sich warten lassen! Wir haben keine Uhr dabei, aber es muss gleich so weit sein. Obwohl wir noch nicht am Gipfel sind, halten wir inne, suchen uns einen bequemen Standplatz am Geländer der schier endlosen Treppe und blicken in Richtung des Lichts. Um uns herum tun es uns immer mehr Menschen gleich – hier oben ist dann doch einiges los! Wir können plötzlich erkennen, dass wir nur knapp unter dem Eingang zur Pilgerstätte ganz oben stehen. Es wirkt von hier wie eine Art Kloster auf der Spitze des Berges.

Und es wird Licht.

Die Sonne erhebt sich über den weit entfernten Rand der Welt. Die vorangegangenen Anstrengungen machen das Erlebte einmalig und wir werden ganz still. Auch die anderen Wanderer schweigen und beobachten, wie der Himmel erstrahlt.

Nach einigen Minuten, es muss jetzt kurz vor 7 Uhr sein, nehmen wir die letzten Höhenmeter in Angriff und betreten die befestigte Anlage. Zu der zuvor gefühlten inneren Ruhe und Gelassenheit passt nicht der Anblick der Müllberge, die sich am Rand der Plattform über die Berghänge ergießen. Wir können sehen, dass die meisten Besucher ihren Müll einfach fallen lassen. Einzelne Männer kehren den Dreck dann über den Rand der Plattform, wo er für nachfolgende Generationen liegen bleibt. Aus unserer westlich sozialisierten Position heraus können wir das nicht nachvollziehen – allerdings mag den Menschen hier das Wort „Umweltverschmutzung“ angesichts anderer Probleme eher abstrakt erscheinen.

Wir sind völlig durchgeschwitzt, deswegen geht es zum Umziehen (wir haben Wechsel-T-Shirts dabei) in die Toiletten. Auch dort müssen wir unsere Vorstellung von dreckigen Klos völlig neu überdenken; dies übertrifft jede Erwartung.

Adam’s Peak: Der Fußabdruck von Adam

Danach stellen wir uns in die Schlange, um einen Blick auf Adams Fußabdruck zu werfen, der sich hier befindet. Als wir an der Reihe sind, verbeugen wir uns nach Vorbild der anderen mit der Stirn bis zum Boden. Dann werden wir Zeuge eines mysteriös anmutenden Verhaltens: Alle Menschen auf dem Gipfel verharren, alle setzen sich auf den Boden. Auch wir tun es gleich, ohne jedoch die Bedeutung zu verstehen.

Am Rande des Schauspiels befindet sich eine kleine Glocke. Wir wir zuvor gelesen haben, darf jeder Pilger diese Glocke zum Klingen bringen. Die Anzahl der Klänge gibt die Zahl der Besteigungen des Berges an. Allerdings konnten wir aus mehreren Quellen erfahren, dass nur die vollständige Besteigung zählt. Wer es also „nur“ nach oben geschafft hat, darf noch nicht läuten. Erst beim nächsten Mal ist ihm oder ihr erlaubt, die Glocke einmal zu läuten. Und zwar für die vollendete erste Pilgerung! Ob sich hier jeder daran hält? Wir gehen auf Nummer sicher, läuten die Glocke nicht, aber nehmen uns dies für das nächste Mal fest vor.

Nach etwa einer Stunde entschließen wir uns zum Aufbruch, nachdem wir uns noch verpflegt haben. Es wird langsam richtig warm in der Sonne und unse mitgebrachte Sonnencreme zahlt sich aus. Eine uralte Einheimische mit verrunzeltem schwarzen Gesicht starrt fasziniert auf die Creme in unserer Hand, dann in unsere Gesichter. Wir zeigen ihr die Paste, da fragt sie schüchtern mit einer Geste, ob sie etwas abhaben könne. Innerlich schmunzele ich über diesen Wunsch, denn ich weiß, dass die Singhalesen sich helle Haut ersehnen. Weiße Haut bedeutet ihnen Wohlstand und deshalb auch Attraktivität, denn wer so hell ist, der muss offensichtlich niemals hart draußen arbeiten. Ganz offensichtlich glaubt die Greisin, dass die Lotion unsere Haut aufhellt und auch ihr „helfen“ könne. Wenn sie nur wüsste, dass wir unsere helle Haut gern bräunen und die Sonnencreme lediglich benutzen, um nicht hässlich krebsrot zu werden!

Mit einem Lächeln geben wir ihr einen gehörigen Klacks ab und werden mit einem dankbaren zahnlosen Lachen belohnt.

Diese Begegnung erfreut unser Herz und wir steigen beschwingt nach unten. Was auch ein wenig schwingt sind unsere Beine, denn unsere Muskeln wackeln fröhlich vor sich hin aufgrund der Anstrengungen zuvor.

Der Abstieg vom Adam’s Peak ist in zwei Stunden bewältigt – ein Klacks gegen die nächtliche Strapaze. Als wir ins Guesthouse zurückkehren, sind wir hundemüde. Unser Tourguide erwartet uns schon. Er ist ausgeschlafen und frisch, er wird uns zu neuen Abenteuern bringen, wir werden derweil hinten im Van ausschlafen!

Warst du schon auf dem Adam’s Peak oder hast es vor?

  

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